
Kobudo bezeichnet die alte japanischen, bzw. Okinawanische, Waffenkampfkunst. Da die hauptsächlichen Kobudo- Wurzeln von der japanischen Insel Okinawa der Ryu-Kyu-Gruppe stammen, wird hier überwiegend der Okinawanische Weg des Kobudo beschrieben.
Allgemein kann man sagen, dass die Entwicklung der Waffenkünste so alt wie die Menschheit an sich ist, da seit Menschengedenken die unzureichenden körperlichen Waffen, wie Arme oder Beine, etc., durch den Gebrauch von Stöcken, Äxten, Messern, etc., ergänzt oder verlängert wurden. In diesem Artikel wird jedoch ausschließlich die Entwicklung der japanischen, bzw. Okinawanischen, Waffenkampfkunst dem Kobudo bearbeitet.
Der Weg des Kobudo beginnt auf der japanischen Ryu-Kyu-Insel Okinawa. Diese liegt inmitten von ca. 140 Inseln, von denen jedoch nur ca. 48 bewohnt sind. Okinawa ist eine langgestreckte Insel mit ca. 800 km Länge und einer variierenden Breite von 4 - 30 km und liegt ca. 500 km von der Hauptinsel Kyushu, der Hauptinsel Japans, entfernt. Zu zwei Drittel ist Okinawa mit Kiefernwälder bedeckt und weist ansonsten einen kargen und für den Ackerbau nicht geeigneten Boden auf. Die Bevölkerung lebte damals wie heute überwiegend vom Fischfang, geringem Ackerbau und den regem Handel zwischen den Kulturen.
Durch diesen Handel zwischen den Kulturen von China, Japan, Korea, Arabien, Sumatra, Java, Indonesien und Thailand folgte neben dem eigentlichen Kulturaustausch auch die langsame Beeinflussung durch die chinesischen Kampfkünste, dem Ch'uan Fa [Urform des Kung Fu]. Parallel hierzu kamen auch Einflüsse von außerjapanischen Waffenkünsten nach Okinawa.
Der erste geschichtlich datierte Kontakt zu Okinawa fand im Zeitraum zwischen den Jahre 608 statt, in der durch den chinesischen Kaiser Yang Chien Seefahrer auf Expeditionen nach Osten geschickt wurden. Durch die Entdeckung Okinawas entstand ein wachsender Kulturaustausch zwischen dem asiatischen Festland und der Ryukyu-Insel. Da zwischen dem siebten und achtem Jahrhundert eine große Reisebewegung zwischen den beiden Parteien stattfand, wird unter anderem vermutet, das die meisten Kobudo-Waffen durch chinesische Mönche importiert wurden. Hierzu gehören z.B. das Nunchaku und das Sai.
Die uralte Kampfkunst Okinawas wurde als Okinawa Te oder Tode bezeichnet und wurde durch den regen Kultureinfluss von außen, kamen in diese Kampfkunst Teile des chinesischen Ch'uan Fa und dem indonesischen Pentjak Silat mit hinein.
In einem Geschlechterkampf zwischen den japanischen Familien des Taira- und dem Minamoto-Geschlechts unterlag letztendlich das Taira-Geschlecht, welche teilweise nach Okinawa auswanderte. Ein Mitglied des Minamoto-Clans wanderte ebenfalls nach Okinawa aus. Der Nachkomme dieses Auswanderers bekam den Namen Shunten und ernannte sich im Jahre 1187 zum König von Okinawa. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es auf Okinawa keine geregelte Regierungsform gegeben und die Dorfgemeinschaften wurden durch die jeweiligen Vertreter geleitet. Als König legte Shunten nun großen Wert auf die Erbauung von Burgen und Befestigungsanlagen, da die Bevölkerung von Okinawa regelmäßig von anderen Nationen oder Piraten überfallen wurde. Erst im Jahr 1372 kamen wirtschaftliche Interessen auf, die den politischen Kontakt zwischen Okinawa und China notwendig machten. Da China zur damaligen Zeit militärisch überlegen war, musste Okinawa Tribut an China zahlen. Dieser bestand überwiegend aus Getreide und gab Okinawa im Gegenzug militärischen Schutz.
Zum gleichem Zeitpunkt wurden diverse Chinesen nach Okinawa geschickt, um diese in den Künsten der Seefahrt, des Buchdruckes und anderer handwerklicher Fertigkeiten zu unterweisen. Hierdurch wanderten auch viele Chinesen nach Okinawa ein. Hierunter waren auch einige chinesische Zen-Mönche sowie Kempo- und Kobudo-Spezialisten, die neben dem Ch'uan Fa auch ein bereits bestehendes Waffenkunstsystem mitbrachten.
Während der Regierungszeit von 1421 - 1439 in der König Sho Hashin regierte, kam es zum ersten öffentlichen Waffenverbot für das gemeine Volk. Dieses Waffenverbot hatte den Zweck jeglichen aufkommenden Aufstand der Bevölkerung ohne vorhandene Waffen sofort im Keim zu ersticken. Das einfache Volk war somit der Willkür der Beamten und Samurai ausgeliefert. Ohne Waffen war man auch nicht in der Lage sich gegen Räuberbanden zu verteidigen.
Ab dem Jahre 1451 musste Okinawa ebenfalls Tribut an Japan zahlen. Japan begründete seine damaligen Anspruch mit der japanischen Abstammung des ersten okinawanischen König Shunten.
Das ausgesprochene Waffenverbot wurde im Jahre 1479 erneut erhoben und durch den japanischen Kaiser Hideyoshi in dem Jahre 1588 erneut ausgesprochen. Nachdem sich Okinawa in den durch Japan geführten Koreakriegen weigerte, teilzunehmen, wurde Okinawa im Jahre 1609 durch Japan besetzt. Jedoch wurde diese Invasion nicht durch die japanische Regierung, dem Shogun Ieyasu Tokugawa, sondern durch den Familienclan der Satsuma ausgeführt. Diese einflussreiche Familie hatte den letzten Krieg gegen die Tokugawa in der berühmten Schlacht von Sekighara im Jahre 1600 verloren und wurde mitsamt ihrem Hofstand und Militärs nach Okinawa "ausgewiesen". In Japan wurde durch das Tokogawa-Geschlecht eine Jahrhunderte lange Friedenszeit eingeläutet. Hierdurch wurden künftige Differenzen zwischen den beiden Clans vermieden.
Während dieser "Besatzungszeit" häuften sich die Übergriffe des gemeinen Volkes gegen die Steuereintreiber und Soldaten der Satsuma. Somit wurde durch Iehisa Shimazu mit sofortiger Wirkung jeglicher Besitz von Waffen verboten. Selbst der Besitz von alten und rostigen Schwertern wurde verboten, auch die adligen Einwohner von Okinawa waren von diesem Verbot nicht ausgeschlossen.
Die nun sich andauernd wiederholenden Bauernaufständen und die Verfolgung der einfachen Bevölkerung durch die Samurai hatte zur Folge, dass sich die Kunst des Kobudo im Geheimen entwickelte und nur an Eingeweihte weiter vermittelt wurde. Diese neuen Künste hatten ausschließlich zum Ziel den Gegner auszuschalten bzw. vorwiegend ihn zu töten, da beim Überleben des Gegners, sofern es ein Samurai war, die gesamte Familie für diesen Widerstand bestraft wurde. Die Kobudo-Meister Okinawas gaben ihr Wissen daher nur an Familienangehörige und selbst dort nur an die Erstgeborenen weiter. Selten wurden Freunde und weitere Verwandte auch unterrichtet.
Die alten Meister vermittelten ihr Wissen an seinen sogenannten Uchi Deshi [jap. "innerer Schüler"], der auch der Einzige war, dem die Anwendungen der Kata [Kata Bunkai] und die eigentlichen Geheimnisse des jeweiligen Stiles vermittelt wurden. Eine breite Schicht der Bevölkerung kam daher nicht in die Möglichkeit diese Künste zu erlernen, damit die Geheimhaltung perfekt und den Japanern vorenthalten wurde.
Das damalige Training fand meist in den Bergen, in Höhlen, in Wälder und aber fast immer im dunklen statt. Es wurde jedoch nicht nur Kobudo, sondern auch Okinawa Te, bzw. Tode, gelehrt und trainiert. Um die Schlag- und Tritttechniken äußerst effektiv zu üben, wurde diese teilweise an Bäumen trainiert, damit die Rüstung eines Gegners sofort durchschlagen werden konnte und die Kraft dennoch ausreichte, um den Gegner zu vernichten.
Wenn man nun also in einen Kampf verwickelt wurde, so entschied dieser Kampf zwischen Leben und Tod. Hier gab es keinen Preis in Form eines Pokal oder einer Medaille zu gewinnen. Der Preis war das Leben selbst. Da es den Gemeinen immer noch verboten war, Waffen zu tragen, verteidigte man sich mit dem, was man gerade zur Hand hatte. Dies wahren Alltagsgegenstände wie der Wanderstab [Bo], der Dreschflegel [Nunchaku], dem Mühlradhebel [Tonfa] oder der kurzem Heugabel [Sai]. Alle aufgeführten Gegenstände kommen aus dem Alltag eines durchschnittlichen Bürgers und sind heute die bekanntesten Waffen der Kunst des Kobudo.
![]() verschiedene Arten des Bo |
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![]() Kama |
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![]() Sai |
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![]() Tonfa |
Zu den heute noch bekannten Kobudo-Waffen zählen:
Im Jahre 1921 reiste der berühmte Karate- bzw. Okinawa Te-Meister Sensei Gichin Funakoshi nach Japan, um dort im Rahmen einer Budodemonstration seine Kunst und auch die Kunst des Kobudo zu präsentieren. Fortan unterlag das Kobudo einem stetigen Interesse und wird in Japan und Okinawa in das gehobene Karate-Training integriert.
Heute wird das Kobudo durch bekannte Meister der KOKUSAI BUDOIN - KOKUSAI BUDOIN RENMEI [IMAF] gelehrt.
Hierzu zählen: